Kultur macht stark: Newsletter 04/2021 Datum: Newsletter Dezember 2021
Liebe Leserinnen und Leser,
„Kultur-macht-stark – eine Werkschau“ lautete unser Motto im vierten Quartal. Wir wollen die ganze Fülle, Vielfalt und Kreativität der Projekte zeigen, die uns immer wieder aufs Neue begeistert: Tanzfilme, Hörspiele, multimediale Aktionen und Schauspielszenen wurden präsentiert und es wurde deutlich, wie ambitioniert alle an „Kultur macht stark“-Projekten Beteiligte bei der Sache sind. Selbst unter erschwerten Corona-Bedingungen entstanden immer wieder neue Möglichkeiten des kreativen Miteinanders. Wer schon einmal selbst ein Instrument gespielt hat, auf einer Bühne stand oder seine Ideen künstlerisch zu Papier gebracht hat, weiß, wie viel Freude vor allem auch die abschließende Präsentation des eigenen Könnens macht. Künstlerische Erfahrungen prägen und stärken die Persönlichkeit. Kinder und Jugendliche entdecken dabei ungeahnte Talente und entwickeln Selbstbewusstsein. Vor allem aber, auch das zeigt die Werkschau, bescheren „Kultur-macht-stark“-Angebote den Teilnehmenden unbeschwerte, fröhliche Stunden – im Jahr zwei mit dem Coronavirus ein umso wichtigerer Aspekt.
Dass dieses Ziel auch mit digitalen Angeboten erreicht wird, wurde deutlich in der Studie „Kultur macht stark – digital“ des JFF - Instituts für Medienpädagogik im Auftrag des Bundesbildungsministeriums. Die beiden Autoren Achim Lauber und Julian Erdmann zeigen sich im Interview stark beeindruckt von den „Kultur macht stark“-Akteurinnen und Akteuren, die mit enormem Gestaltungswillen und flexibler Kreativität Formate entwickelt haben, wenn pandemiebedingt keine Präsenztreffen möglich waren. Potenziale werden vor allem dort gesehen, wo Projekte mit digitalen Medien an die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen anknüpfen und es ermöglichen, sich zeit- und ortsunabhängig zu treffen. Der digitale Wandel macht es leichter, neue Inhalte und Werkzeuge sowie externe Expertise einzubinden, so das Fazit der Studie.
Kreative Impulse aus der Welt des Films erhielten Berliner Kinder und Jugendliche im Bezirk Neukölln während eines Ferienprojektes. Das Medium Film übt auf sie eine starke Faszination aus, zumal wenn sie selbst etwas produzieren können. Wie etwa bei der Kindernachrichtensendung „News aus Neukölln“, mit der die Heranwachsenden zeigten, dass ihnen Mitbestimmung und Mitgestaltung wichtig sind. Die „News aus Neukölln“ erfuhren höchste Anerkennung, so durch die Redaktion der ZDF-Kindernachrichten „Logo!“ und die Jury des 14. Internationalen Kinder Kurzfilmfestivals (KUKI).
Munter und vergnügt zogen auch die Kinder im nordrhein-westfälischen Projekt „AUGEN AUF im Westparkviertel“ los. Aachener Grundschulkinder haben sich aufgemacht, ihr Viertel besser kennenzulernen. Initiiert von der Jugendkunstschule in der Bleiberger Fabrik wurden dabei Menschen generationsübergreifend zusammengebracht. Denn die Kinder spürten der Vergangenheit nach mithilfe von Seniorinnen und Senioren aus ihrer Nachbarschaft. Die Älteren erzählten aus ihrer Jugendzeit, zum Beispiel vom Zoo im Westpark, der schon lange nicht mehr existiert. Mit diesem Wissen tauchten die Kinder tief ein in die Vergangenheit, auch als sie einen Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg besuchten. Eine Entdeckung führte zur anderen, es ging um große Themen wie Krieg und Frieden, aber auch um die Anforderungen an den Städtebau heute. Begleitet wurde die Spurensuche von einem Architekturhistoriker, einem Stadtplaner sowie von Studierenden der Landschaftsarchitektur an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (TWH). Unter anderem überlegten sie gemeinsam, wo es im Westpark Barrieren gibt und wie man Abhilfe schaffen kann.
Eine Spurensuche mit den Ohren haben Kinder und Jugendliche während der Ferien in Kassel unternommen. Sie experimentierten mit Klängen, die sie in ihrer Umgebung wahr- und dann mit Tabletcomputern aufgenommen haben. Mit den eingebauten Mikrofonen sowie einer Musikapp verwandelte sich das Tablet in eine Kreativmaschine. Neben der Musik ging es im Ferienworkshop vor allem um das Miteinander. Ohne Erwartungsdruck neue Kenntnisse zu erlangen und sich in einer Gruppe gegenseitig zu helfen, war für die Kinder und Jugendlichen eine stärkende Erfahrung. Viele der Teilnehmenden leben noch nicht lange in Deutschland und haben kaum Zugang zu kulturellen Angeboten, da ihre Eltern aufgrund mangelnder eigener Erfahrung oder schwieriger sozialer Situationen kaum eigene kreative Impulse geben können.
Gehört und vor allem auch gesehen werden wollten auch die Jugendlichen im Projekt „Zukunftsvisionen heute“ in der brandenburgischen Uckermark. 15 Mädchen und Jungen haben Fakten recherchiert und sich Gedanken darüber gemacht, was sie heute tun können, damit das Morgen besser wird. Ihre Visionen für die Zukunft unseres Planeten haben sie tänzerisch umgesetzt in einer Live-Performance sowie in unterschiedlichen Filmcollagen. Begleitet von der Choreografin Yeri Anarika und dem Videokünstler Paul Rohlfs konnten sie sich ohne Vorgaben erst einmal ausprobieren. Schnell haben sie gelernt, wie man den ganzen Körper einsetzen kann, um seinen Gefühlen und Gedanken Ausdruck zu verleihen.
Auf „Das Geheimnis der Schmetterlinge" lenkte Kinderbuchautorin Maja Nielsen die Aufmerksamkeit von Sieben- bis 14-Jährigen in der hessischen Gemeinde Grävenwiesbach. In dem Ferienprojekt ging es nicht nur um die künstlerische Inspiration durch Schmetterlinge und Insekten, sondern auch um Umweltschutz und Artenvielfalt. Die meisten aus dem Kreis der Teilnehmenden leben noch nicht lange im Hochtaunuskreis, sind erst vor Kurzem mit ihren Familien aus Syrien geflüchtet. Sie haben kleine Geschichten erfunden, Fantasie-Insekten gebastelt und Schmetterlinge gemalt. Zudem haben sie einen Film über ihr Projekt gedreht und eine ganz besondere Ausstellung vorbereitet, ein Kuriositätenkabinett, in dem sie zum Abschluss wundersame Dinge ausstellten – inspiriert durch die Beschäftigung mit der Naturforscherin Maria Sibylla Merian.
Das Gesamtwerk „Kultur-macht-stark“ lebt vom Enthusiasmus aller Beteiligten.
Viel Spaß beim Lesen, eine frohe und besinnliche Weihnachtszeit und einen guten Rutsch ins neue Jahr wünscht
Ihr Redaktionsbüro „Kultur macht stark“
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Mit dem Programm "Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung" trägt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) zu mehr Bildungsgerechtigkeit in Deutschland bei. Bereits seit 2013 fördert das Programm außerschulische Angebote der kulturellen Bildung für bildungsbenachteiligte Kinder und Jugendliche. Von 2018 bis 2022 stellt das BMBF dafür 250 Millionen Euro zur Verfügung, mit denen 29 bundesweit tätige Programmpartner lokale Bündnisse bei der Umsetzung von Projekten unterstützen. "Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung" ist damit das größte Programm zur Stärkung von Kindern und Jugendlichen durch kulturelle Bildung in Deutschland.
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